|
|
|
|
Thomas Wörtche: Böse Umstände
Andrew Brown, im bürgerlichen Leben Rechtsanwalt und Reservepolizist, gilt als die neue Stimme in der Literatur Südafrikas. Sein zweiter Roman »Würde« ist ein komplexes Werk, das Südafrika kontextualisiert und in Bezug setzt auf andere afrikanischen Staaten. Brown erzählt von nigerianischen Immigranten, die vor der brutalen Realität in ihrer Heimat fliehen und in Südafrika fast paradiesische Zustände mit relativ hohem Wohlstand und relativ geringer Gewalt vorfinden. Doch auch in Südafrika prallen Illusionen und harte Wirklichkeit aufeinander.
[weiter]
* * *
Thomas Wörtches Leichenberg 07/2010
Die interessanteste Kriminalliteratur aus Südafrika kommt von einem Autor, der eigentlich keine Kriminalromane schreibt. Sondern Romane, die sich unter der Hand in Crime Fiction vom Feinsten verwandeln: Andrew Brown hat mit »Würde« (btb), seinem zweiten Roman nach »Schlaf ein, mein Kind« diese Vermutung bestätigt. »Würde« betrachtet die Republik Südafrika aus den Augen nigerianischer halbillegaler Immigranten, die ums nackte Überleben kämpfen müssen. Die Gegenperspektive liefert ein weißer, satter upperclass-Anwalt...
[weiter]
* * *
Thomas Wörtche: Sherlock Holmes. Heute?
Wenn man anfängt, über Reminiszenzen nachzudenken, können erstaunliche Dinge herauskommen. Im Mai 2009 bat mich die Radiomacherin Ute Büsing anlässlich des 150. Geburtstags von Sir Arthur Conan Doyle für ein Gespräch über den Stellenwert von Sherlock Holmes ins RBB-Inforadio-Studio. Und während des Gesprächs, für das ich mich brav noch einmal faktensicher gemacht hatte, kamen mir so meine Zweifel: Interessiert mich Sherlock Holmes eigentlich heute noch die Bohne? Hat er mich je interessiert? Und wenn nicht, warum?
Im Alltagsgetöse gehen solche Momente der Irritation zwar schnell vorbei, aber subkutan pocht ein unbearbeiteter Rest...
[weiter]
* * *
Thomas Wörtche: Menschlich, wahr, rührend
Henning Mankell hat das Ende seiner Wallander-Serie angekündigt. Dass sich der Verlust in Grenzen hält, belegt der schwedische Erfolgsautor mit seinem aktuellen Roman: »Der Feind im Schatten« wartet auf mit einem gesuchten und gekünstelten Kriminalfall, der Wallander die Gelegenheit zu einer mäandernden Rückschau über sein Leben, seine Fälle, die Geschichte Schwedens und alles Leid und Weh bietet.
[weiter]
* * *
Thomas Wörtches Leichenberg 06/2010
Dreizehn Stunden aus dem Arbeitstag von Benny Griessel, inzwischen Kaptein der Polizei von Kapstadt. Dreizehn Stunden, um einen Mord an einem Musikproduzenten aufzuklären. Dreizehn Stunden aus dem Leben einer jungen Frau, die von sportlichen Herren gejagt wird, die man umbringen möchte, der man mit einer Gartenschere unschöne Dinge antut. Und dreizehn Stunden, in denen wir eine Menge über das südafrikanische Musik-Business lernen und über die komplizierten politischen Verwicklungen innerhalb der Polizeibehörden, über Schleuserbanden und Russen am Kap. »Dreizehn Stunden« (Rütten & Loening) heisst folgerichtig der neue Roman von Deon Meyer, der eine Art Echtzeit-Simulation ist, weil Erzählzeit und erzählte Zeit eh nie zur Deckung zu bringen sind...
[weiter]
* * *
Kleiner Abgesang auf das Krimi-Jahr 2009
Im Frühjahr 2009 wars, da machte sich eine ganze Armada von Übertragungswagen auf ins Württembergische, um nach dem Amoklauf von Winnenden Kameraobjektive und Mikrofone möglichst nah ran zu halten auf Blut, Schmodder und Tränen. Der Reporter als Pornograph, die Würde der Toten und ihrer Anghörigen geopfert auf dem Altar von Auflagen und Quoten. Kurz zuvor war Stewart O'Nans bewegender Roman »Alle, alle lieben dich« erschienen...
[weiter]
* * *
Thomas Wörtche: Vignetten aus dem Low-Life
Der junge dänische Autor Jonas T. Bengtsson liefert mit seinem zweiten Roman »Submarino« tristen Stoff, den Kult-Regisseur Thomas Vinterberg (»Das Fest«) für das Kino umgesetzt hat. Bentsson protokolliert das Leben zweier Verlierer mit furchtbarem familiärem Hintergrund, die selbst wieder neue Opfer schaffen. Der Roman ist kalt und deprimierend, ein tröstlicher literarischer Rahmen fehlt.
[weiter]
* * *
Autoren-Infos: Robert B. Parker
Robert B. Parker, amerikanischer Autor mit dem gigantischen output von rund fünf Dutzend Kriminalromanen, mehreren mainstream novels und einigen Sachbüchern, wurde hautpsächlich bekannt durch seine Roman-Serie um den Privatdetektiv Spenser, der bis heute in knapp 40 Büchern auf den Straßen Bostons ermittelt. Parker, wie die meisten Kriminalschriftsteller seiner Generation, bewegte sich in der Tradition der Klassiker wie Chandler und Hammett, gleichzeitig gelang es ihm, der Figur des Privatdetektivs eine Runderneuerung zu verordnen und diese fit zu machen für die Literatur der Siebziger und der folgenden Jahre.
[weiter]
* * *
Bianca Reineke: Kirche, Krimis und Kate Charles
Wer an Krichenkrimis denkt, hat meist Dan Brown und die ungezählte Plagiate im Sinn, die im Fahrwasser des Brown'schen Megasellers rumdümpeln: Unholde in dunklen Kutten und finstere Verschwörungen um die finalen Geheimnisse der Menschheit. Bei all den Ungeheuerlichkeiten geraten die aktuellen kirchenpolitischen Diskussionen aus dem Blick, etwa die Debatte um die Ordination von Frauen oder die Diskussion um die Trauung homosexueller Liebespaare.
Die amerikanische Krimi-Autorin Kate Charles, die seit langen Jahren in England lebt und meist als britische Autorin bezeichnet wird, beschäftigt sich seit knapp zwei Jahrzehnten mit dem Thema. In einem Interview mit Bianca Reineke gibt Kate Charles Auskunft über ihre Arbeit. Eine Bibliographie finden Sie auf der entsprechenden Seite in den Autoren-Infos.
[weiter]
* * *
Autoren-Infos: Andy McNab
Andy McNab - ein bis heute ungelüftetes Pseudonym - wurde1959 geboren und wuchs als Waisenkind in einfachen Verhältnissen im Süden Londons auf. Als Jugendlicher kommt er mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt und handelt sich eine Arreststrafe ein. Um seine Haftstrafe zu verkürzen, meldet sich McNab 1976 zur Army, wird Infanterist bei den Royal Green Jackets und dient hauptsächlich in den IRA-Hochburgen in Nord-Irland. 1974 wechselt McNab zur Eliteeinheit SAS, dem Special-Air-Service. Gut ein Jahrzehnt operiert er im offenen und verdeckten Anti-Drogen- und Anti-Terrorismus-Krieg, seine Einsätze führen ihn in den Nahen und Fernen Osten, nach Süd- und Mittelamerika und wieder nach Nord-Irland.
[weiter]
* * *
Für diese Seiten gilt Haftungsausschluss und Urheberrecht.
Für Inhalte auf von uns verlinkte Seiten übernehmen wir keine
Verantwortung.
Jan Christian Schmidt
Solmsstr. 38 b, 10961 Berlin
© Jan Christian Schmidt und die jeweils genannten Autoren, 1996 - 2010
|
|
|
|